Eine (moderne) Weihnachtsstory

Malia* erwacht als ihr Handywecker klingelt. Nicht, dass es früh morgens wäre oder Arbeit / Schule anstehen würde; aber der gestrige Abend am Klauseinzug viel etwas länger aus als erwartet. Der Wecker ist nur die Massnahme um die geplante Zählung nicht zu verpassen. Wieder einmal hat der Unihockeyverband „befohlen“ sich für eine „Zählung“ zu treffen. Dabei spielt auch Malia ihre Rolle für die Giswil Dragons. 
Der Treffpunkt für diese Zählung ist das Turbenthal. Die beschwerliche und lange Reise verkürzt Malia mit den anderen Dragons im Auto. Nach ausgetüftelten Recherchen, hat sich gezeigt, dass das Auto immer noch die bessere Co2 Bilanz aufweist als 1-2 Esel (je nach Gepäck) / Person. Futter, Dauer und Methanausstos dieser ansonsten niedlichen Tiere ist einfach zu hoch. Jedenfalls ist Malia und die anderen wohlbehalten im Turbenthal im Tösstal angekommen. 
Zur gleichen Zeit hat sich auch Jonathan* auf den Weg gemacht. Er selbst ist nicht aufgefordert worden an der Zählung aktiv teilzunehmen. Trotzdem hat er sich entschlossen an diesem vergangenen Sonntag die Halle im Bezirk Winterthur aufzusuchen. Das Spielen mit dem Ball, die Zahlreichen Vertreterinnen des anderen Geschlechts und der Fakt, dass sein Datenvolumen dank dem 1. Advent wieder frisch aufgefühlt worden war, bestärkten ihn in seiner Entscheidung. Fast gleichzeitig wie Malia betritt er die Halle, sein Blick ist aber starr auf sein Mobiltelefon gerichtet. (schliesslich wird sein Dorf / Festung / Bauernhof oder was auch immer gerade angegriffen.)
Nach dem Umziehen und dem (bei den aktuellen Temperaturen) dringend notwendigen einwärmen steht Malia das erste mal in dieser Saison vor ihren Gegnerinnen des UHC Cevi Gossau. Der für die Zählung verantwortliche Schiedsrichter notiert zur Pause den guten aber noch verbesserungsfähigen Zwischenstand von 3:2 für das Team von Malia und ihren Giswil Dragons. 
Jonathan hat sich zwar die beiden Teams angeschaut, ist aber mit seinen Freunden viel mehr damit beschäftigt die Fotos der neusten Errungenschaften des Black Fridays anzusehen. Auf der Anzeigetafel sieht er, den Zwischenstand und widmet sich kurz darauf den möglichen „Schnäppchen“ die am Cyber Monday noch anstehen könnten.
Für die zweite Hälfte der ersten Zählung haben sich die Giswilerinnen um Malia einiges vorgenommen. Wieder zurück auf dem Feld scheint es aber so, als ob es „zu“ viel wäre. Malia und die Anderen Mitspielerinnen begehen viel zu viele unnötige Fehler. Die Gegnerische Mannschaft aus Gossau agiert Geduldig und lässt sich viel Zeit. Am Ende gehen beide als Sieger vom Feld und der vom Verband engagierte „Zähler“ notiert den Endstand. 
Auf der Tribüne wird die Aufmerksamkeit von Jonathan durch einen lauten Pfiff auf das Feld gelenkt. Das Spiel ist bereits vorbei und das Scoreboard zeigt ien 6:6 Unentschieden. In einer kurzen mental philosophischen Phase denkt sich Jonathan, dass er das Spiel und somit auch das Reale im Leben ja komplett verpasst hat. Er nimmt sich vor das nächste Spiel von Anfang an zu verfolgen. Doch Vorsätze sind eigentlich etwas für das Neujahr. So verwundert es den Leser vermutlich nicht, dass Jonathan und seine Freunde erst beim „Tschacka“ Schrei vom übernächsten Spiel, (bei dem wiederum Malia auf dem Feld stand) ihre Smarthones auf einen Stapel legen. Wer während des Spiels zu seinem Handy greift, bezahlt die nächste Runde Getränke.
Malia steht gleich von Beginn an auf dem Feld. Die Mannschaft auf der anderen Seite des Feldes: Der UHC Zugerland ist bereits ein bekannter Gegner der Vorrunde. Das Resultat bei der vorangegangen „Zählung“ zieht parallelen zum ersten Spiel. Ebenfalls 6:6 Unentschieden viel die Partie Mitte September aus. Als der „Zähler“ in sein Pfeiffe blässt sind Malia und ihre Kameradinnen noch nicht in dem Spiel angekommen. Früh müssen sie eine 0:2 Situation aufholen. Wachgerüttelt und den letzten Schlafmangel der vergangen Nacht durch Adrenalin verdrängt drehen die Giswilerinnen auf. Sie reihen Tor um Tor und müssen bis zur Pause nur einen weiteren Gegentreffer hinnehmen. 
Die Handys aufeinander und mit gebannten Blicken verfolgt Jonathan und seine Jungs die überraschend spannende Partie. Nach dem Rückstand haben die vermeintlichen Unihockeyexperten das Team der Giswil Dragons bereits abgeschrieben. Nun staunen alle nicht schlecht, als es zur Pause 5:3 für das Team aus Obwalden steht. Jonathan juckt es in den Fingern sein Telefon zu ziehen und seine Wissenslücken zu googeln. Gerne würde er mehr über Giswil, Obwalden und die Giswil Dragons herausfinden. Möglich, dass er auf der Website des Vereins den Namen der auffälligsten Spielern findet und diese auf Facebook sogar anschreiben könnte. Doch davon erzählt er seinen Freunden nichts. 1. Möchte er keine Getränke-Runde spendieren. 2. Ziehen ihn seine Freunde bestimmt nur auf, wenn er ihnen erzählt, dass diese Giswilerin es ihm „angetan“ hat. Er Verfolgt weiter wie das Team der Dragons noch zwei Tore schiesst und eines hinnehmen muss.
Als der Schlusspfiff ertönt freut sich Malia mit ihren Freundinnen über den 7:4 Erfolg. Das letzte Spiel im alten Jahr (und das erste der Rückrunde) konnte gewonnen werden. Während sie auf dem Feld jubelt blickt sie auf die Tribüne und sieht einen jungen Mann. Er blickt Malia direkt an und lächelt…….

*Name der Redaktion bekannt und verändert.

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